Von Badorf nach Walberberg

Unsere letzte Wanderung ist schon sehr lange her, aber heute fanden wir die Zeit, unsere abgebrochene Etappe fertig zu pilgern. Eigentlich sollte der Weg nur 2,5km betragen und so entschieden wir uns, mit dem Auto nach Brühl-Badorf zu fahren und den Weg hin und zurück zu laufen. Irgendwie wurden aus 5 dann 8,68km…. Bevor es irgendwann einmal richtig in die Berge geht, sollten wir also zwingend an unserer Orientierung arbeiten.

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Vom Bahnhof Badorf liefen wir nämlich erst einmal in die falsche Richtung los. An der Bahnunterführung bemerkten wir unseren Irrtum und kehrten um. Es geht also rein nach Badorf und an dem schönen alten Holzkreuz entlang über die Peller Hülle.

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Wir bogen links auf die Badorfer Hauptstraße ab, der wir komplett folgten. Positiv aufgefallen ist uns allen Vieren die wunderschönen kleinen Fachwerk- und alten Hofgebäude rechts und links dieser Etappe.

Der Straßenname „Auf den Steinen“ war dann auch Programm; denn hier ging es auf Kopfsteinpflaster weiter. Insgesamt war dieser Teil der Etappe gekennzeichnet von schmalen Bürgersteigen, die eine Passage mit unserem Bollerwagen unmöglich machten. Wir sind daher zähneknirschend die meiste Zeit auf der Straße gelaufen.

IMG_5463Durch Brühl-Eckdorf ging es weiter auf die Walburgisstraße und dann errichten wir auch schon St. Walburga, welche unser heutiges Ziel darstellte. Leider war an diesem Sonntag Schützenfest und da wir mit dieser kirchlichen Tradition leider garnichts anfangen können, mussten wir auf einen Besuch dieser wunderschönen Kirche verzichten. Die Kirche gehörte ursprünglich zur nicht weit entfernten Burg, von der heute nur noch der so genannte Hexenturm übrig ist. In der Heiltumskammer der Kirche gibt es übrigens, passend zum Thema, unter anderem den Wanderstab der Hl. Walburga zu bestaunen.

Auf der Walberberger Hauptstraße legten wir noch einen Zwischenstop im Eiscafé Eisbrecher ein. Mir hat es dort sehr gut geschmeckt; dermann mochte das Eis nicht. Einziges Manko: es gab keine Toiletten. Den Rückweg sind wir auf direktem Wege gegangen.

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Statistik:

Wetter: 19 Grad, bewölkt

Distanz: 8,68 km, knapp an den 10km vorbei

Ausrüstung: Jeans, Pulli, Premiere für unseren neuen Fuxtec-Bollerwagen.

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Von Fischenich nach Badorf

Wir sind lange nicht mehr gewandert. Erst war das Kleinkind im Krankenhaus und im Anschluß ziemlich anfällig für Infektionen und dann hatte ich einfach Pech mit dem Dienstplan und habe fast alle Wochenenden gearbeitet. Nebenbei bauen wir ein Haus, wofür im Moment auch viel gemeinsame Familienzeit drauf geht.

Egal, wir nutzten Fronleichnam um bei großartigem Wetter die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Mit dem Auto fuhren wir zunächst nach Fischenich zurück. Die dortige Stempelstelle liegt rechts neben der Kirche in einem Privathaus (oder Pfarrhaus?), war allerdings geschlossen. Da es innerhalb Deutschlands und auf den ersten Kilometern sowieso nicht so auf die Anzahl der Stempel ankommt, gingen wir zügig weiter.

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Der Jakobsweg führt in Hürth durch ein ruhiges Wohngebiet und geht im Wesentlichen immer geradeaus. Sehr angenehm ist die hohe Dichte an Wegweisern. So findet man die uns mittlerweile vertraute Muschel an beinahe jedem Laternenpfahl. Auch die Kinder hatten sichtlich Spaß daran, die Wegweiser aus dem Hänger hinaus zu erspähen. Laufen wollte heute keiner der beiden. Na ja, dann kommen wir wenigstens zügig voran 😉

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Über die Drafenstraße und später über die Vochemer Straße bogen wir nach rechts auf die Weilerstraße ein. Hier verliessen wir das Stadtgebiet von Hürth wieder.

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Neben dem wirklich sehr schönen Weißenhof befindet sich hier die Privatbrauerei Bischoff. Unserem Reiseführer konnten wir entnehmen, dass hier Kölsch gebraut wird, obwohl die Brauerei außerhalb des Kölner Stadtgebietes liegt. Da es aber zu früh für ein Kölsch und außerdem wirklich sehr warm war, zogen wir weiter.

Lochem gehört dann schon zu Brühl und bildet ein Etappenziel. Der Weg ist wirklich prima zu finden und es gilt lediglich, das Linksabbieger auf die Kaiserstraße nicht zu verpassen. In Brühl, und zum Teil auch in Fürth, findet man überall bemalte Stromkästen. An der zu nehmenden Abkürzung zum Beispiel diesen hier.

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Die Kaiserstraße führt immer geradeaus bis man an der Bahnstation Brühl Nord erneut rechts abbiegt auf die Hubertusstraße. Hier wurden die Kinder quenglig, was uns kurz überlegen ließ, von hier aus mit der Bahn zum Auto zurück zu fahren. Wir entwickelten dann das „Kirche-Keks-Spiel“. An jeder Kirche, die eins der Kinder zuerst sieht, darf ein Keks verweist werden. Lecker! Durch einen Park und die Innenstadt gingen wir zum wunderschönen Schloß Augustusburg. Kein Wunder, dass hier bis 1996 Staatsgäste empfangen wurden, denn es ist wirklich sehr schön. Besichtigen kann man es nur im Rahmen einer Führung. Darauf hatten wir heute keine Lust und so nutzten wir die Zeit zu einem Picknick im Barockgarten des Schlosses. Die Kinder tobten über die Hügel uns waren nur schwerlich aus den abgesperrten Brunnen fern zu halten.

Da es nun wirklich genug professionelle Fotos vom Schloß gibt, möchte ich Euch lieber die Margaretenklause zeigen. Dies ist ein griechisches Restaurant, das ein spezielles Pilgeressen anbietet. Wir hatten unser Mahl bereits im Park eingenommen, trotzdem war ein deutliches Zeichen für die gute Infrastruktur des Jakobswegs. Ob uns die große gelbe Muschel auch außerhalb unserer Pilgerreise aufgefallen wäre?

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Außerhalb der Innenstadt wurde es mit der Orientierung dann schwierig. Man soll vom Nord-Süd-Weg aus kommend einen Weg parallel zur Bahnstrecke nehmen. Diese war zum Zeitpunkt unserer Wanderung eigentlich abgesperrt. Darüber haben wir uns mal großzügig hinweg gesetzt und gingen nun einen asphaltierten Weg entlang der Bahnstrecke ohne Schatten entlang.

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Die im Reiseführer beschriebene Unterführung war dann für unseren Zweierhänger ein echtes Hindernis und wird dies, für die Dauer der Bauarbeiten, wohl auch für Rollifahrer oder Fahrradtouristen sein.

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Da wir aber wenig Chancen hatten, einen Alternativweg zu laufen, gingen wir weiter zum Bahnhof Badorf. Hier mussten wir unsere Etappe leider abbrechen. Kleinkind war genervt von der Sonne, die die Frechheit hatte, ihn trotz Sonnenhut zu blenden. Das Sonnenverdeck der Firma Charcot/Thule ist meiner Meinung nach aber auch ein echter Konstruktionsfehler, da er die Sicht des Kindes komplett behindert. Trotzdem war es eine schöne Etappe nach langer Zeit wieder. Ich war heute wieder sehr froh, dass wir uns nicht dazu entschlossen haben, mit Kindern in diesem Alter durch Spanien zu pilgern. Natürlich sind unsere „Blondies“ auch wirklich sehr sonnenempfindlich, aber ich stelle mir eine Bergetappe bei 30 Grad plus wirklich sehr beschwerlich und schwitzig vor.

 

Statistik:

Wetter: 20 Grad, Sonne satt

Distanz: 9,35km, knapp an den 10km vorbei

Ausrüstung: Jeans, T-Shirt, Sonnenhut (!)

 

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Von Hürth Efferen nach Fischenich

Um eines mal vorne weg zu sagen: heute war es eher so lala. Es war heute 0-2° C kalt und es nieselte ungefähr 80% der Strecke. Dermann war gestern feiern und war konditionell doch deutlich angeschlagen. Um so schöner ist es, wenn man an einem solchen Tag Begleitung hat. Heute pilgerten meine Schwester mit meiner sieben Monate alten Nichte mit. Meine Nichte ist ein großes kompaktes Baby, das immer einen höchst skeptischen Gesichtsausdruck hat und auch sonst sehr niedlich ist. Die beiden testeten heute, wie es sich mit einem normalen Kinderwagen pilgern lässt.

Zuerst fuhren wir mit der Linie 18 wieder nach Efferen und wanderten zu unserem letzten Stempelpunkt, der Kirche St Maria Geburt. Der Weg war diesmal sehr einfach zu finden, es ging im Prinzip immer die Hauptstraße entlang. Großkind zeigte sich höchst motiviert und pilgerte fast einen Kilometer zu Fuß, ehe er sich in unseren Fahrradanhänger setzen liess. Kleinkind meckerte vor sich hin, ließ sich aber bereitwillig mit selbst gebackenen Dinkelstangen bestechen. Kurz hinter der Ecke Beseler Straße/Krankenhausstr konnten wir die asphaltierte Hauptstraße endlich hinter uns lassen und kamen in einen lang gezogenen Park. Hier „fließt“ der Duffesbach.

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Der Jakobsweg verläuft auf dieser Etappe genauso wie der Römerkanal-Wanderweg und so gab es auch diesmal wieder römische Ausgrabungen zu bestaunen.

Nachdem wir die Horbeller Str überquert hatten, erreichten wir den wunderschönen Burgpark. Hier wurde uns, wenn auch von einem Schild, zum ersten Mal „Buen Camino“ gewünscht, was der traditionelle Pilgergruß ist. Wir haben uns dagegen entschieden, uns durch Tragen der traditionellen Muschel als Jakobwegpilger kenntlich zu machen. Trotzdem begegneten wir heute zum ersten Mal einer anderen Pilgergruppe. Es handelte sich um vier Rentner, die allesamt von Kopf bis Fuß in komplette Outdoorklamotten gehüllt waren. Vornedran schritten die Männer, von denen einer als Alpha-Männchen den gleichen Wanderführer, den wir auch benutzen, schwenkte. Die Frauen liefen schwatzend hinterher. Trotz Alpha-Männchen schafften sie es irgendwie, ständig vom Weg abzukommen und sich immer wieder von uns überholen zu lassen. Mysteriöserweise waren sie etwa eine halbe Stunde später wieder vor uns.

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Nach dem Burgpark ging es über die Hauptverkehrsstraße durchs Gewerbegebiet. Zum Regen, den heute sehr motzigen Kindern und dem eigenen Schweinehund gesellte sich nun auch noch Autolärm und Abgase. Nicht so schön!

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Irgendwann durften wir dann aber zum Glück ins Naturschutzgebiet abbiegen. Nun ereilte uns das nächste Problem: beide kleinen Kinder mussten gewickelt werden. Bei Regen leider nicht wirklich auf dem Boden machbar. Wir liessen die Feldwege also flott hinter uns und marschierten zuerst durch Keldenich und später durch Fischenich auf der Suche nach einem Café, einer öffentlichen Toilette oder einer anderen Wickelgelegenheit. Leider konnten wir trotz intensivem Augen offen halten und Google keine Wickelmöglichkeit finden, sodass wir beschlossen, in Fischenich abzubrechen. Die Stempelstelle befindet sich im Pfarrhaus der Kirche St Martin. Das Pfarrhaus war leider wieder einmal geschlossen. In unserem Führer fand sich der Hinweis, bei einer bestimmten Frau privat zu klingeln. Auf Grund der nun doch sehr laut meckernden Kinder beschlossen wir das Stempeln zu vertagen und möglichst schnell eine Bahnhaltestelle zu suchen. Die Haltestelle Fischenich der Linie 18 liegt etwa 900m von der Kirche entfernt.

Die Etappe von heute hat uns deutlich vor Augen geführt, dass die Kinder weiterhin das Tempo angeben. Bei kalten Temperaturen und Dauerregen kann also auch eine volle Windel die Etappe vorzeitig beenden. Spannend wird das sicherlich, wenn man irgendwann Unterkünfte planen und reservieren muss, aber dazu kommen wir später. Für heute waren wir einfach froh und glücklich, nach 40 Minuten zu Hause im Warmen anzukommen.

 

Statistik:

Wetter: 0-2 Grad, Regen

Distanz: 6,3km

Ausrüstung: Jeans, Winterjacken, Schneeanzug (Kleinkind). Heute waren definitiv Handschuhe Pflicht!

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Von Köln nach Hürth

Startpunkt der ersten Etappe ist der Kölner Dom. Auch als Kölner erfüllt mich der Anblick dieser unglaublichen Kathedrale immer wieder mit Ehrfurcht. Es ist quasi physisch unmöglich, den Dom bei einer Überquerung des Rheins nicht anzusehen und zu staunen. Auf jeder Urlaubsreise ist der Anblick dieser einzigartigen Kirche das gute Gefühl, wieder in der Heimat zu sein. Frei nach dem Motto „Home is, where the Dom is“.

Wir reisten also heute gut gelaunt mit der KVB zum Kölner Dom. Es ist Samstag und gerappelt voll. Eigentlich wollten wir im Dom eine Kerze für unser Vorhaben entzünden und den heiligen Jakobus an seinen verschiedenen Lokalisationen aufsuchen, aber im Dom war gerade Messe. Der ewig gut gelaunte und freundliche (nicht) Dom Schweizer, der uns zum Portal führte, liess auch keinen Zweifel daran, dass wir unerwünscht waren. Normalerweise stellt der Dom Schilder auf, auf denen die Gottesdienstzeiten vermerkt sind, aber irgendwie fehlte das heute. Auch am Petersportal konnten wir den heiligen Jakobus nicht entdecken. Vielleicht war er auch gerade zur Reparatur? Ich erspare es mir, ein Foto vom Dom zu machen. Täglich scheitern diverse Touristen daran und auch mir wäre es wohl nicht gelungen. Kleiner Tip: die Selfie-Stange macht es nicht besser.

Im Dom-Forum bekamen wir unseren ersten Stempel. Ein tolles Gefühl, obwohl wir noch keinen Kilometer hinter uns hatten. Das Dom-Forum findet Ihr direkt gegenüber vom Dom. Die Stempelstellen des Via Coloniensis findet Ihr im praktischen pdf-Format hier.

Vom Dom aus ging es über die Domplatte zum Heinzelmännchenbrunnen. Hier wollten wir das Großkind eigentlich mit dieser alten Kölner Sage beeindrucken, dieses kannte aber alle Einzelheiten schon aus dem Kindergarten.

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Grob wussten wir aus unserem Führer, dass es über den Barbarossa-Platz auf die Luxemburger Strasse gehen sollte. Leider war es nicht ganz einfach, in der rappelvollen Innenstadt die Freitext-Wegbeschreibungen unseres Buches zu befolgen. Wir gingen also am Rathaus und Standesamt vorbei bis wir über den Quaternmarkt die Cäcilienstr erreichten. Hier hätte uns ein Blick ins Buch sicher weiter geholfen, allerdings waren wir so genervt von den Menschenmassen, den Autos und dem Lärm, dass wir schnell weiter, grob in die Richtung des Barbarossaplatzes weiter marschierten. Als Kölner kennen wir die Kölner Altstadt und hielt uns nicht weiter mit Sightseeing auf. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten wir uns sicherlich noch Zeit für einen Abstecher zum Rhein, Altermarkt, archäologische Zone etc genommen. Am Blaubach war es dann soweit: wir fanden unseren ersten offiziellen Wegweiser! Eine blau gelbe Markierung an einem Baum und die dazugehörige Plakette mit der Muschel. Toll! Ab diesem Zeitpunkt fanden wir Wegweiser zum Teil alle 5 Meter. Bis jetzt ist uns das in Köln noch nie aufgefallen.

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Am Barbarossaplatz (laut Tommy Jagd der hässlichste Platz Kölns) angekommen, mussten wir in einer Bäckerei eine Pinkelpause für Großkind einlegen. Da Kleinkind kurz darauf einschlief, zogen wir motiviert weiter die Luxemburger Str hinunter. Vorbei an Party-Institutionen wie dem Blue Shell oder dem Stereo Wonderland erreichten wir das neue Gebäude der mathematischen Fakultät. In Klettenberg legten wir einen kurzen Zwischenstop am wunderbaren Café Bo ein. Dieses findet Ihr in Höhe des Klettenberg Gürtels und es gehört zu meinen absoluten Lieblings-Cafes in Köln.

Die Luxemburger Strasse ist nun nicht der schönste Wanderweg. Man sollte sich aber vor Augen halten, dass wir uns auf einer historischen Route befanden und die jetzige Straße die damals angelegte Straßenführung übernommen hat. Kurz nach Klettenberg wiesen uns die Wegweiser nach rechts. Wir bogen also in ein Wohngebiet ab, konnten aber dann keine Wegweiser mehr finden. An der Kreuzung Luxemburger Str / Militärring stellten wir fest, dass wir durch das Wohngebiet in Richtung Berrenrather Str hätten gehen müssen. Wir überquerten den Militärring und gingen durch den Stadtwald zur Berrenrather Str. Zur absoluten Begeisterung von Großkind  kamen wir an einer Baustelle von Kanalarbeitern vorbei, an der man Raupenbagger hautnah aus der Nähe sehen konnte.

Auf der Berrenrather Str machten wir Halt am Römerkanal Wanderweg und bestaunten einen ausgegrabenen römischen Wasserkanal.

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Nun waren wir fast am Ziel. Unter der Autobahnbrücke entlang ging es in Hürth-Efferen die Hauptstrasse entlang bis zur Kirche St Maria Geburt. Im dortigen Pfarrhaus sollten wir den zweiten Stempel bekommen. Doch dann der Schock! Das Pfarrhaus war geschlossen! Zum Glück trafen wir vor der Kirche den sehr netten Pfarrer, der unsere Stempel trotz geschlossenem Pfarrbüro stempelte.

Da die Jungs langsam quenglig wurden, entschlossen wir uns, mit der Linie 18 zurück nach Köln zu fahren und den Rest der Etappe nach Brühl an einem anderen Tag an zu gehen.

Die erste Etappe hat auf jeden Fall Spaß gebracht und macht Lust auf mehr. 8km waren für unsere Kinder auf jeden Fall ausreichend. Wir als Erwachsene hätten noch mehr geschafft. Andere Pilger haben wir nicht gesehen oder getroffen. Die Wegweiser waren ausreichend und hätten wir regelmäßiger in unseren Führer geschaut, hätten wir uns auch nicht verlaufen.

Statistik:

Wetter: 2-10 Grad, sonnig. Am Dom sehr windig.

Distanz: 8,2km

Ausrüstung: Wir – Jeans, Winterjacken, Joggingschuhe bzw Sneaker. Großkind – Jeans, Lederschuhe, Winterjacke. Kleinkind – Schneeanzug (da waren wir unsicher. Da er aber nicht läuft und nur im Anhänger saß, auf jeden Fall die richtige Wahl).

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Vorbereitungen

dermann und ich sind keine erfahrenen Wanderer. Den Entschluss, den Jakobsweg zu wandern haben wir kurz nach unserer Hochzeit gefasst. Uns reizt vor allem die Kombination aus einer sportlichen Herausforderung und dem spirituell-religiösen Hintergrund. Schließlich ist es etwas ganz Besonderes, auf den Spuren eines Heiligen zu wandern und Wege zu gehen, die Tausende von Menschen schon lange Zeit vor uns gegangen sind.

Als Kölner beginnen wir vor der eigenen Haustür am Kölner Dom. Zum Einen muss es für uns nicht immer die exotische Fernreise sein und wir reisen gerne auch durch Deutschland, um schöne und spannende Dinge vor der Haustür zu entdecken. Zum Anderen sind die Kinder momentan noch klein und wir können es uns nicht vorstellen, mit Säugling oder Minikind durch die Hitze in den Bergen zu wandern. Dann kommt hinzu, dass wir uns zeitlich keinen Stress machen möchten. Ich arbeite im Schichtdienst, inklusive Wochenenden und Feiertagen und unser Urlaub geht komplett für die Kita-Schließzeiten drauf. Unsere Kinder sind nämlich nicht in derselben Einrichtung betreut, sodass wir als normale Arbeitgeber ganz schön jonglieren müssen, um alle Ferien, Konzeptions- und Projekttage abzudecken. Aber das ist ein anderes Thema, und das soll ja hier kein Motz-Blog werden 😉

Als Führer haben wir uns das Buch „Jakobsweg Via Coloniensis“ von Iris Retterath ausgesucht. Das Buch ist in der Outdoor-Reihe erscheinen, welche im Netz als Führer für den Jakobsweg hoch gelobt wird. 16,90€ sind meiner Meinung nach ein fairer Preis für das unterhaltsam geschriebene und bebilderte Werk. Ihr könnt es beim Buchhändler Eures Vertrauens kaufen oder z.B. hier Der Weg von Köln nach Trier ist 240km lang. Danach gibt es verschiedene Routen über Frankreich bis nach Spanien. Insgesamt kommen dadurch etwa 2634km zusammen.

Da auch wir zu den Eltern gehören, die selbst mit 5 Jahre alten Jeans auf dem Spielplatz stehen, während der Nachwuchs selbstverständlich für alle Polar-Expeditionen Wasser-, Wind- Kälte geschützt ist, sind die Kinder zum Wandern fertig ausgerüstet. Ich besitze als Fahrrad-Pendler zumindest eine Regenhose und dermann ist bis jetzt der Meinung, er könne den Weg in Baggy-Pants und Etnies laufen. Zum Thema Schuhe habe ich mich vertrauensvoll an meinen Kollegen Ka gewandt, der diverse Trails in Deutschland, Nepal und Afrika hinter sich hat. Er empfiehlt auf jeden Fall knöchelhohe Wanderschuhe aus dem Fachhandel für die Bergetappen. Da jetzt erstmal lange Zeit keine Berge anstehen, laufe ich erstmal in meinen Trail-Runschuhen los, die ich zum Joggen benutze. Wichtigstes Ausrüstungsstück ist und bleibt unser geliebter Fahrradanhänger. Da das Großkind der wohl lauffaulste Vierjährige unter der Sonne ist, brauchen wir unbedingt eine komfortable Transportmöglichkeit für zwei Kinder. Das Transportproblem ist damit auch geklärt, da unser Anhänger ein großes Gepäcknetz und einen Kofferraum hat. Da das Kleinkind nicht immer für den Kinderwagen zu begeistern ist, darf auch ein Tragetuch  bei uns nicht fehlen.

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Fehlt also nur noch der offizielle Pilgerausweis, auf spanisch Credencial Del Peregrino. Diesen gibt es bei den Jakobus-Gesellschaften. Wir haben unsere hier bestellt. Der Pass weist seine Inhaber nicht nur als offizielle Pilger aus und ermächtigt zur Übernachtung in den Pilgerunterkünften (Refugios), sondern dient auch als Nachweis über die erlaufende Strecke. An jedem Tag muss an offiziellen Stempelstellen gestempelt werden. Auf den letzten Etappen benötigt man sogar zwei Stempel pro Tag. Hat man alle Stempel gesammelt, bekommt man in Santiago die so genannte Compostela. Man füllt online einen Antrag aus und bekommt die Ausweise per Post zugeschickt. Gleichzeitig bittet die Jakobus-Gesellschaft um eine Spende von 10€. Unsere Ausweise kamen nach ungefähr einer Woche. Wir haben allerdings erfahren, dass das im Sommer wohl auch mal länger dauern kann.

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So, und jetzt geht’s los 🙂